Angedacht

Ein Tag zum Nachdenken

Buß- und Bettag…vielleicht können wir uns noch erinnern an Kindertage. Langweilig…die Geschäfte mitten in der Woche geschlossen, die Straßen leergefegt, getragene klassische Musik im Radio und dann auch noch graues Novemberwetter. Die einzigen Lichtblicke waren der Braten
zum Mittagessen und der anschließende Spaziergang mit den Eltern – auch nicht das, was mich als Kind vom Hocker gerissen hätte.

Heute ist der Buß- und Bettag (außer in Sachsen) ein ganz normaler Mittwoch. Die Kinder gehen zur Schule, die Erwachsenen zur Arbeit, die Geschäfte haben geöffnet, normale Betriebsamkeit. Und ich sehne mich nach einem arbeitsfreien Buß- und Bettag zurück. Nach einem Tag, an dem ich Zeit und Ruhe habe, mein eigenes Leben und das, was ich tue, zu hinterfragen. An dem ich darüber nachdenken kann, wo ich auf einem guten Weg bin und wo nicht, und darüber, ob ich manches vielleicht aus eigener Kraft ändern und umkehren kann. Klar, über mich und mein Leben nachdenken – das kann ich an jedem freien Tag auch, aber ein gemeinsamer Feiertag ist eine besondere Chance.

Ein guter Freund sagte mir einmal: „Mensch, dieses ewige Gerede von menschlicher Schuld und Sünde – das macht mich noch ganz depressiv. Gott hat uns doch so gemacht.
Wieso soll ich mich immer so schrecklich schuldig fühlen?“ „Sollst du gar nicht“, konnte ich ihn überzeugen.

„Nur ab und zu gucken, ob du nicht was korrigieren kannst.
Denn Gott liebt uns, wie wir sind. Aber er traut uns zu, dass
wir uns verändern können.“ (Ulrike Berg)

Mit herzlichen Grüßen
Ihre Pfarrerin Evelin Franke